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Der Eiger ist ein 3'970 m ü. M. hoher Gipfel in den Berner Alpen. Dem Hauptkamm der Berner Alpen nördlich vorgelagert gehört der Eiger ganz zum Schweizer Kanton Bern. Zusammen mit Mönch und Jungfrau bildet er das bekannte Dreigestirn und dominiert damit die Landschaft des zentralen Berner Oberlandes. Der Name Eiger wird 1252 urkundlich erstmals erwähnt als „mons Egere“. Ob dies aus dem Mittelhochdeutschen „Hej Ger“ (= „Hoher Spiess“) stammt, ist ungeklärt.
Bearbeiten Lage und UmgebungDer Eiger selbst erstreckt sich primär in NO-SW-Richtung und erscheint aus diesen Richtungen als markantes Horn. Insbesondere der NO-Grat (Mittellegigrat) ist eine eindrucksvolle Kletterei (S, III). Nach SO und vor allem NW zeigt er seine Breitseiten. Er überragt das Tal bei Grindelwald-Grund um gut 3'000 m und ist dem aus Nordwesten heranziehenden Schlechtwetter besonders stark ausgesetzt. Am Fusse der Eiger-Nordwand beginnt das UNESCO-Weltnaturerbe Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn. Im Inneren des Berges, mit einem Bahnhof und Fenstern in der Eiger-Nordwand, verläuft der Tunnel der Jungfraubahn. Die im Berg gelegene Station Eigerwand mit ihren Panoramafenstern hat schon manchem Bergsteiger das Leben gerettet. Bearbeiten GeologieDer Eiger besteht komplett aus Kalk, speziell aus Sedimenten des Mesozoikums (Erdmittelalter), die hier am Nordrand des Aarmassivs steil aufgerichtet stehen. Das Aarmassiv ist von Süden bis zum Nördlichen Eigerjoch über die Sedimente aufgeschoben (eine geologische Rarität). Bearbeiten Routen und BesteigungenBearbeiten ErstbesteigungVon der Wengernalp aus gelang den Grindelwalder Bergführern Christian Almer und Peter Bohren gemeinsam mit ihrem irischen Gast Charles Barrington am 11. August 1858 über die Westflanke die Erstbesteigung des Eigergipfels. Bearbeiten RoutenWestflanke
Westgrat
Nordostgrat oder „Mittellegigrat“
Südgrat
Südwestgrat
Bearbeiten Eiger-Nordwand
Blick auf die Eiger Nordwand im Abendlicht. Im Hintergrund: Mönch
Berüchtigt ist der Eiger für seine schwierig zu durchkletternde Nordwand (strenggenommen NW-Wand) mit ca. 1.650 Metern Höhendifferenz. Den ersten ernsthaften Besteigungsversuch unternahmen die drei Sachsen Willy Beck, Kurt und Georg Löwinger, die am 17. Juli 1934 in die Nordwand einstiegen und bis 19. Juli eine beachtliche Höhe von 2'900 Metern erreichten. Nach einem Sturz von Willy Beck, der Kurt und Georg Löwinger mitriss, brachen sie den Versuch ab. Die Bergung gelang über die Eigerfenster. Die beiden Münchner Bergsteiger Karl Mehringer und Max Sedlmayr starteten ihren Versuch am 21. August 1935 und starben fünf Tage später im Schneesturm. Der Punkt, an dem die beiden vom Tal aus mit einem Fernrohr das letzte Mal gesehen wurden, bekam später den Namen Todesbiwak. Die Nordwand wurde vor allem durch die dortigen Katastrophen bekannt, insbesondere die des Toni Kurz (mit Andreas Hinterstoisser, Edi Rainer und Willy Angerer, 1936). Tragisch verlief dieser Aufstieg über den Hinterstoisser-Quergang durch den Erstbesteigungsversuch der Deutschen Hinterstoisser und Toni Kurz und der Österreicher Willy Angerer und Edi Rainer. Nachdem die vier den Quergang an Hinterstoissers Seil passiert hatten, zogen sie das Seil ab, was ihnen später den sicheren Rückweg versperren sollte. Sie kamen nur bis zum Todesbiwak und beim Abstieg am 21. Juli versuchten sie dann, sich hundert Meter abzuseilen. Dabei wurden drei Bergsteiger durch Steinschlag/Lawinen getötet, nur Toni Kurz konnte den weiteren Abstieg fortsetzen. Er verstarb mit den Worten: „Ich kann nicht mehr“ drei Meter über den Rettern an Erschöpfung, als sich der Knoten, der zwei Seile verband, im Karabiner des Karabinerabseilsitzes verklemmte. Nach diesem Desaster verboten die Schweizer Behörden die Besteigung der Nordwand. Ein Gericht hob dieses Verbot später jedoch wieder auf. Erstmals durchstiegen wurde die Eigernordwand vom 21.–24. Juli 1938 durch eine deutsche und eine österreichische Seilschaft mit Heinrich Harrer, Anderl Heckmair, Fritz Kasparek und Ludwig Vörg. In der Wand hatten sich die beiden Seilschaften (Kasparek und Harrer aus Österreich einerseits, Heckmair und Vörg aus Deutschland andererseits) vereinigt. Obwohl der Zusammenschluss der Seilschaften keinerlei politische Gründe hatte (die vier hatten sich auf dem zweiten Eisfeld verbunden, weil Harrer keine Steigeisen dabei hatte und Heckmair den Österreichern zunächst raten wollte, besser wieder umzukehren), instrumentalisierte das damalige nationalsozialistische Regime die Vereinigung als Symbol für den Anschluss Österreichs an Deutschland, welcher kurz vorher, am 13. März 1938, erfolgt war, und schlachtete den bergsteigerischen Erfolg als Zeichen für die Stärke Deutschlands propagandistisch aus. Die Schweizer hielten damals wenig von der vor allem in Bayern und in Wien betriebenen „Akrobatik“ im Bergsteigen (= Kletterei jenseits des IV. Grades) und natürlich auch nicht von der deutsch-nationalen Inanspruchnahme ihres Berges. Ein weiteres Unglück war das des Claudio Corti (einziger Überlebender der Gruppe neben den umgekommenen Stefano Longhi, Günther Nothdurft und Franz Mayer, 1957). Die erste Winterbegehung der Nordwand erfolgte 1961 durch Toni Hiebeler, Walter Almberger, Anderl Mannhard und Toni Kinshofer. Umstritten bei dieser Begehung ist, dass der Einstieg nicht vom Wandfuß aus erfolgte, sondern durch Ausstieg aus dem Stollenloch der Jungfraubahn. Die erste Winterbegehung durch eine italienische Gruppe fand im folgenden Jahr unter der Führung des Südtiroler Bergsteigers Armando Aste statt. Die erste Alleinbegehung glückte 1963 dem Schweizer Michel Darbellay. Bekannt wurde auch das tödliche Ende eines Versuchs der Durchsteigung für vier Spitzenbergsteiger aus der DDR im Jahr 1967. 1968 gelang Reinhold Messner die Erstdurchsteigung des Eiger-Nordpfeilers. Mit der Begehung der Nordwand innerhalb von 10 Stunden im Jahr 1974 stellte er zusammen mit Peter Habeler einen Geschwindigkeitsrekord auf. Im Jahr 2008 kletterte die Seilschaft Roger Schäli und Simon Anthamatten die Route in 6 Stunden 50 Minuten. Unter 5 Stunden brauchten 1983 unabhängig voneinander Thomas Bubendorfer und Reinhard Patscheider, jeweils in Solo-Kletterei. Bubendorfers Leistung ist jedoch insofern äußerst umstritten, als er die Wand nicht vom Wandfuß aus, sondern durch Ausstieg aus dem Stollenloch der Jungfraujochbahn beging. Noch schneller war 2003 der Südtiroler Christoph Hainz mit 4,5 Stunden und 2007 der Schweizer Ueli Steck, der 3 Stunden 54 Minuten benötigte. 2008 verbesserte Ueli Steck seinen Rekord auf 2 Stunden 47 Minuten. Die klassische Route durch die Nordwand (Heckmair-Route) führt über folgende Stellen: Erster Pfeiler, Stollenloch, Schwieriger Riss, Hinterstoisser-Quergang, Erstes Eisfeld, Schwalbennest, Eisschlauch, Zweites Eisfeld, Bügeleisen, Todesbiwak, Drittes Eisfeld, Rampe, Wasserfallkamin, Rampeneisfeld, Brüchiges Band, Götterquergang, Spinne, Corti Biwak, Ausstiegsrisse und Gipfeleisfeld. Direktrouten (Direttissime) führen im zentralen Wandteil empor (John-Harlin-Route, 1966), im rechten Wandteil (Japaner-Route, 1969) und im linken Wandteil (Tschechen-Route II, 1978). Unbewältigt ist bislang der Ausstieg aus der Rampe direkt gegen die oberste Nordrippe.
Der Eiger von der Grossen Scheidegg aus gesehen
Der Eiger von der Grossen Scheidegg im Winter
Bearbeiten Hinterstoisser-QuergangDer Hinterstoisser-Quergang ist eine ca. 30 m breite Felsplatte, eine schwierige Passage der Eigernordwand. Benannt nach dem Bad Reichenhaller Bergsteiger Andreas Hinterstoisser, welcher am 18. Juli 1936 die Stelle mittels der Technik des Seilzugquergangs meisterte. Bearbeiten TodesbiwakDas Todesbiwak ist ein Biwak-Platz am oberen Ende des Bügeleisens – also des Felssporns, der die Plattenschüsse trennt, die früher das Zweite und Dritte Eisfeld trugen. Der Name Todesbiwak kommt davon, dass hier die deutschen Bergsteiger Max Sedlmayer und Karl Mehringer bei ihrem Besteigungsversuch 1935 zuletzt lebend gesehen wurden. Bearbeiten GötterquergangQuergang in der Eigernordwand (Normalroute) zwischen „Rampe“ (genau: zwischen dem Brüchigen Riss) und „Spinne“ in ca. 3600 m Höhe. Landschaftlich hervorragend schön und zugleich gut kletterbar, daher der Name. Erstmals betreten von Anderl Heckmair und Ludwig Vörg am 23. Juli 1938. Bearbeiten Die „Spinne“Die Spinne ist ein Firnfeld in der Gipfelwand des Eigers. Firncouloirs, die von oben her in die Spinne führen, und solche, die nach unten aus der Spinne herausführen, geben ihm das Aussehen einer riesigen Spinne. Der Name "Spinne" beschreibt jedoch nicht nur das Aussehen, sondern auch das Wesen dieser Wand. Speziell durch Lawinen, Steinschlag und das schnell wechselnde Wetter wurde dieser Wandabschnitt vielen Bergsteigern zum Verhängnis. Bearbeiten Routen der Nordwand
Bearbeiten Eiger-NordostwandDie Nordostwand steht deutlich im Schatten der Nord(west)wand, von der sie durch den Nordpfeiler getrennt ist. Die erste Durchsteigung gelang dem Zürcher Lauper mit den Führern J. Knubel und A. Graven bereits 1932. Bearbeiten Eiger-SüdostwandDie erste Durchsteigung der Südostwand gelang im Jahre 1937 den beiden Deutschen Otto Eidenschink und Ernst Möller. Bearbeiten Routen der Südostwand
Bearbeiten FelssturzAn der Ostseite des Berges unterhalb des Mittellegigrates entstand durch Felsbewegungen im Jahr 2006 ein rund 250 Meter langer Spalt, der ca. 7 Meter breit wurde. Danach senkten sich die äußeren Teile bis zu mehrere Zentimeter pro Tag ab. Eine Ursache dieser Felsabspaltung könnte das massive Eindringen von Schmelzwasser in den Felsen sein, sowie die entstandene Instabilität durch den Rückgang des Gletschers unterhalb des Felsabbruchs in Folge der globalen Erwärmung. Am 13. Juli 2006 um 19.24 Uhr stürzten rund 500.000 Kubikmeter Felsbrocken auf den Unteren Grindelwaldgletscher ab. Über der Gemeinde Grindelwald schwebte stundenlang eine Staubwolke. Bereits am Nachmittag des 13. Juli 2006 war die so genannte „Madonna vom Eiger“ zu Tal gestürzt. Hierbei handelte es sich um einen ca. 30 Meter hohen, schlanken Felsturm mit rund 600 Kubikmeter Volumen. Insgesamt knapp 2 Millionen Kubikmeter Felsen galten am Eiger als absturzgefährdet. Die Bewegungen der Felsmassen verlangsamten sich jedoch im Jahr 2007. Bearbeiten JungfraubahnDie Jungfraubahn fährt in einem Tunnel durch den Eiger. Mitten in der Eigernordwand gibt es seit 1903 einen Halt mit Aussichtsfenstern. Die Passagiere können beim Halt an diesen Aussichtsfenster den Zug verlassen und die Aussicht aus der Nordwand heraus einige Minuten genießen. Bearbeiten GalerieBearbeiten Siehe auchBearbeiten Literatur
Bearbeiten Filme / TV
Bearbeiten Weblinks
Commons: Eiger – Bilder, Videos und Audiodateien
Bearbeiten Felssturz
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