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Fernando Armindo Lugo Méndez (* 30. Mai 1951 in San Solano, Departamento Itapúa, Paraguay) ist seit dem 15. August 2008 Staatspräsident von Paraguay. Von 1994 bis 2005 war er Bischof der römisch-katholischen Diözese San Pedro im verarmten Zentrum des Landes.
Bearbeiten Ausbildung und WerdegangFernando Lugo wurde im äußersten Süden Paraguays in San Solano im Distrikt San Pedro del Paraná geboren, 210 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Asunción. Seine Eltern, Guillermo Lugo und Maximina Méndez Fleitas, litten unter Repressalien des Stroessner-Regimes; sein Onkel Epifanio Méndez Fleitas, ein Intellektueller und Politiker der Regierungspartei Partido Colorado, fiel in Ungnade und ging 1956 ins Exil nach Uruguay.[1] Drei Brüder von Lugo wurden gefoltert, sein Vater mehrfach verhaftet.[2] Lugo begann seine Schulausbildung in Encarnación, der Grenzstadt zu Argentinien, und arbeitete in jungen Jahren als Volksschullehrer. Nach einem Studium der Theologie an der Universidad Católica in Asunción wurde er 1977 zum Priester geweiht. Als Missionar des Ordens Steyler Missionare ging er kurz darauf für fünf Jahre nach Ecuador, wo er als Landpfarrer und Lehrer in Guaranda wirkte und mit Leonidas Proaño zusammenarbeitete, der als „Bischof der Armen“ bekannt war. Nach Paraguay zurückgekehrt, verwies ihn 1983 die Stroessner-Diktatur des Landes; bis zu seiner Rückkehr 1987 lebte er fortan im Exil in Rom und studierte dort Soziologie an der Universität Gregoriana. 1994 wurde er Bischof von San Pedro, der ärmsten und konfliktreichsten Region Paraguays. Bearbeiten Politische KarriereAls der amtierende Präsident Nicanor Duarte Frutos versuchte, durch eine Verfassungsänderung seine Wiederwahl durchzusetzen, schloss sich Lugo 2005 der entstehenden Protestbewegung an. Angesichts seiner politischen Ambitionen trat er noch im selben Jahr als Ordinarius der Diözese San Pedro zurück und bat im Dezember 2006 den Heiligen Stuhl um Laisierung. Die Kongregation für die Bischöfe beschied, dass er im Bischofsamt verbleibe,[3] entband ihn aber von den damit zusammenhängenden Rechten und Pflichten.[4] Mit dem Zurücklegen seiner kirchlichen Rechte war es ihm möglich, für das Präsidentenamt zu kandidieren, da es nach Artikel 235 der Verfassung Paraguays kirchlichen Amtsträgern untersagt ist, Präsident oder Vizepräsident zu werden.[5] Die politische Arbeit versteht Lugo mit einem Wort des Papstes Pius XI. als „höchste Form der Nächstenliebe“.[6] Ende Juli 2008 autorisierte Papst Benedikt XVI. das Ansuchen Lugos um Laisierung [7] und versetzte erstmals in der Kirchengeschichte einen Bischof in den Laienstand.[8] Die „Patriotische Allianz für den Wandel“ (Alianza Patriótica por el Cambio, APC), ein breites Bündnis aus neun Parteien sowie Gewerkschaften und Bauernbewegungen, bestimmte Lugo vor der Präsidentenwahl am 20. April 2008 zu ihrem Kandidaten. Diese Wahl entschied Lugo mit 40,8 Prozent der Stimmen für sich; er distanzierte dabei die ehemalige Bildungsministerin Blanca Ovelar, die Kandidatin der seit 61 Jahren regierenden Colorado-Partei, um zehn Prozentpunkte.[9] Lugo wurde am 15. August 2008 als Staatspräsident vereidigt[10], Federico Franco von der Partido Radical Liberal Autentico zum Vize-Präsidenten ernannt. Die Position der Primera Dama (First Lady) soll die Schwester von Lugo, Mercedes Lugo Méndez de Maidana, bekleiden. Bearbeiten PositionenFernando Lugo sieht seine Wurzeln in der Befreiungstheologie und gilt als Anwalt der Unterprivilegierten und Entrechteten. Aus diesem Grund wird er gelegentlich – nicht zuletzt von seinen politischen Gegnern – mit den linken Staatspräsidenten Hugo Chávez und Evo Morales verglichen. Lugo selbst hingegen rechnet sich „der politischen Mitte“[11] zu und distanziert sich von programmatischer Radikalität.[12] Sozialwissenschaftler des Landes charakterisieren ihn als Mann, dem Personenkult und Messianismus „zuwider“ sind und der weiß, „wie man Leute zusammenbringt und Kompromisse aushandelt“.[12] Lugo verteidigt das Privateigentum und plädiert für ein Wirtschaftssystem, in dem Platz sowohl für private als auch staatliche Unternehmen ist. Zu den „großen Achsen“ seiner Politik zählte er vor der Wahl den Wohnungsbau, die Einführung eines universalen Gesundheitssystems, eine Bildungsreform und den Bau von Verkehrswegen.[4] Im Kampf gegen die Armut setzt er sich für eine umfassende Landreform ein, die für eine Umverteilung und mehr Gerechtigkeit sorgen soll; bislang kontrollieren in Paraguay 5 Prozent der Bevölkerung 90 Prozent des produktiven Terrains.[13] Außerdem will Lugo Brandrodungen und den massiven Einsatz von Pflanzengiften eindämmen. Er kündigte an, mit den Nachbarländern Brasilien und Argentinien den Preis für Energielieferungen aus den Wasserkraftwerken Itaipú und Yacyretá neu verhandeln zu wollen, um damit die Einnahmen für Sozialprogramme zu verbessern. Wörtlich sagte er: „Paraguay kann nicht nur ein Land der Rinderzucht sein, wir müssen uns in ein Land der Wasserenergie, ein Industrieland verwandeln.“[4] Bearbeiten Einzelnachweise
Bearbeiten Weblinks
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